Tachomanipulation: jeder dritte Gebrauchtwagen vermutlich betroffen

Tachomanipulation: jeder dritte Gebrauchtwagen vermutlich betroffen

Gebrauchtwagen lohnen sich, doch beim Blick auf den Tacho zweifeln viele Kaufinteressierte. Stimmen die tatsächlich zurückgelegten Kilometer mit dem Tachostand überein? Nur allzu oft liegt der Verdacht des Betrugs nah. Den Übeltätern auf die Schliche zu kommen ist nicht leicht, denn Politik und Behörden stellen sich quer.

TachometerViele Käufer vermuten bereits, dass der Tachostand des erstrebten Gebrauchtwagens manipuliert wurde. Oft fehlen jedoch handfeste Beweise. Gängige Praxis: Unseriöse Autoverkäufer drehen den Kilometerstand herunter, um den Wert eines Fahrzeugs zu steigern. Je weniger ein Auto fuhr, umso höher fällt der Gewinn aus. Die Angaben auf dem Tacho entsprechen häufig nicht den tatsächlich zurückgelegten Kilometern.

Auch Otto-normal-Verkäufer können problemlos den Kilometerstand verfälschen – sei es beim kleinen Gebrauchten aus dem Internet oder bei einer Luxuslimousine. Die Prozedur dauert oft nur wenige Sekunden. Bei mechanischen Tachos lässt sich die Walze mithilfe einer Bohrmaschine zurücksetzen. Durch einen Computer, der entsprechenden Spezialsoftware und wenigen Klicks sind auch LCD-Tachos nicht vor Manipulationen gefeit. Das geht bei fast jedem Fahrzeugmodell. Laut DEKRA und ADAC müssen bei jedem dritten Gebrauchtwagen die Tachostände infrage gestellt werden.

Amtlich anerkannte Fahrzeugbiografien könnten Tricksern ins betrügerische Handwerk pfuschen. Würden Tachostände neben Wartungs- und Reparaturarbeiten in Fahrzeugbriefe wie auch in Fahrzeugscheine eingetragen, ließen sich gefahrene Kilometer leichter bemessen. In einigen europäischen Ländern ist diese Methode bereits Praxis. So wurde in Belgien etwa der Car Pass eingeführt. Potenziellen Käufern müssen die behördlichen Dokumente stets vorgelegt werden. Sie enthalten eine umfassende Kilometerstandshistorie, die bei Wiederverkäufen und Inspektionen aktualisiert wird. Darüber hinaus sind alle Kilometerdaten in einer zentralen Datenbank erfasst. So gingen in den letzten Jahren die Betrugsdelikte erheblich zurück. Einen kommerziellen Weg gehen die USA. Zulassungs-, Unfall- und Reparaturdaten von Fahrzeugen sowie die dazugehörigen Kilometerstände sammelt das private Unternehmen Carfax. Die zentrale Datenbank bietet Käufern die Möglichkeit, sich über Tachostände von Gebrauchtwagen zu informieren. Dies geschieht unkompliziert über das Internet, sofern die Fahrgestellnummern vorliegen.

Derzeit ist in Deutschland die Einführung von amtlichen Fahrzeugbiografien nicht geplant. Der Grund liegt in den bestehenden Datenschutzrichtlinien. Fahrzeugidentifikationsnummern dürfen nicht an Dritte weitergegeben oder verkauft werden. Automobilklubs und Sachverständige fordern daher, die aktuelle Gesetzgebung zu überdenken. Der Autokauf bleibt Vertrauenssache. Auch wenn seriöse Verkäufer auf freiwilliger Basis Kilometerstände akribisch genau festhalten, so bleiben doch Zweifel.